Das Problem
Seit Mitte 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auch für private Anbieter: Online-Shops, Buchungssysteme, Bankdienstleistungen, Selbstbedienungsterminals müssen barrierefrei sein. Viele kleine und mittlere Anbieter wissen das nicht oder kaufen ein Siegel, das an einem automatisierten Test hängt — der findet einen Teil der technischen Fehler und keinen einzigen der Stellen, an denen echte Nutzung scheitert. Gleichzeitig sind Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt deutlich unterrepräsentiert, obwohl genau sie die Fachleute für diese Frage sind.
Was man aufbaut
Ein Prüfteam aus blinden, sehbehinderten, gehörlosen, motorisch und kognitiv beeinträchtigten Tester:innen plus einer Person mit technischem Hintergrund. Ihr testet Websites, Apps und Automaten mit den tatsächlich benutzten Hilfsmitteln, schreibt einen priorisierten Bericht und schult danach das Entwicklungsteam. Das ist eine bezahlte Dienstleistung mit einem Marktpreis, keine Spendenaktion — und die Expertise ist echt und knapp.
Wer etwas davon hat
Die Tester:innen selbst: qualifizierte, bezahlte Arbeit, in der die Behinderung die Qualifikation ist. Unternehmen, die die Anforderungen erfüllen müssen und niemanden finden, der es ihnen ehrlich sagt. Und alle, die danach die Website benutzen können.
Dein erster Schritt — diese Woche
Such dir drei lokale Anbieter — Stadtwerke, Sparkasse, ein Online-Shop aus der Region — und geh deren Bestellstrecke mit aktivierter Sprachausgabe oder nur mit der Tastatur durch. Schick ihnen zwei Seiten mit den konkreten Stellen, an denen du hängen geblieben bist, und was das für Kundschaft bedeutet. Eine dieser drei Mails wird euer erster Auftrag.
Woran es meistens scheitert
Der Preis, und zwar in beide Richtungen. Teams aus dem gemeinnützigen Umfeld verkaufen sich unter Wert, weil sie sich insgeheim als Ehrenamt sehen, und arbeiten dann für Sätze, von denen niemand leben kann — das entwertet auch die Arbeit aller anderen im Feld. Der zweite Fehler ist der Bericht: 120 gefundene Verstöße lesen sich beeindruckend, werden aber nie abgearbeitet und landen in einem Ordner. Drei priorisierte Punkte mit Aufwandsschätzung und einem Screenshot bringen mehr tatsächliche Barrierefreiheit als eine vollständige Mängelliste — und sie bringen den Folgeauftrag.