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Demokratie · Sozial

Faktencheck-Bot für Messenger, getragen von Freiwilligen

Weitergeleitete Falschmeldungen erreichen Menschen, die keine Zeitung lesen. Ein Faktencheck erreicht sie nur auf demselben Weg.

Das Problem

Ein großer Teil der Desinformation in Deutschland verbreitet sich nicht öffentlich, sondern in geschlossenen Messenger-Gruppen — Familie, Nachbarschaft, Verein. Dort kommt kein Faktencheck an: Die etablierten Redaktionen veröffentlichen auf ihren eigenen Seiten, und wer die Falschmeldung erhalten hat, sucht dort nicht danach. Wer eine zweifelhafte Nachricht bekommt, hat in dem Moment keine Möglichkeit, sie prüfen zu lassen, ohne die Gruppe zu verlassen oder sich zu blamieren.

Was man aufbaut

Ein Bot, an den man eine verdächtige Nachricht einfach weiterleitet. Wurde sie schon geprüft, kommt die Antwort sofort zurück. Wenn nicht, landet sie in einer offenen Redaktion aus Freiwilligen, die Belege sammeln und eine Einordnung schreiben — nachvollziehbar, mit Quellen, unter freier Lizenz. Das taiwanische Vorbild Cofacts arbeitet seit Jahren so und ist quelloffen; der Code ist damit nachnutzbar, die redaktionelle Qualitätssicherung ist die eigentliche Aufgabe.

Wer etwas davon hat

Menschen, die eine Nachricht aus der Familiengruppe nicht glauben, aber nicht widersprechen können, weil ihnen die Belege fehlen. Ältere Nutzer:innen, die kaum andere Nachrichtenquellen haben. Und Multiplikator:innen in Vereinen und Gemeinden, denen ein prüfbarer Verweis mehr hilft als ein Streit.

Dein erster Schritt — diese Woche

Sammle vier Wochen lang in deinem eigenen Umfeld jede weitergeleitete Nachricht, die du für zweifelhaft hältst, und prüf zehn davon von Hand. Dabei lernst du zwei Dinge: wie lange eine Prüfung wirklich dauert und ob es genug Material gibt. Beides entscheidet über die Machbarkeit — den Bot baut man danach in Wochen.

Woran es meistens scheitert

Die politische Angreifbarkeit, und sie kommt schnell. Sobald der Bot Reichweite hat, werdet ihr als parteiisch bezeichnet, und einzelne Einordnungen werden gezielt angegriffen. Dagegen hilft nur ein von Anfang an offengelegtes Verfahren: Wer darf schreiben, wie wird gegengelesen, wie werden Fehler korrigiert und sichtbar gemacht. Zweitens gelten für eure Antworten Presse- und Äußerungsrecht — eine falsche Tatsachenbehauptung über eine benannte Person kann teuer werden. Drittens die Abhängigkeit von der Plattform: Ein Messenger-Betreiber kann eure Schnittstelle ohne Vorwarnung schließen. Baut die Prüfdatenbank so, dass sie auch ohne den Bot nutzbar bleibt.

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