Offen für alle
Mitgründer:in finden
Was vor der Suche hilft, was in den ersten Gesprächen auf den Tisch gehört, und wie ihr herausfindet, ob es trägt — zugeschnitten auf Verein, gGmbH und gUG.
100 Tage
liegt der Median zwischen Anmeldung und dem Match, aus dem eine Gründung wird.
4 %
der erfolgreichsten Firmen einer großen Startup-Plattform wurden allein gegründet.
7
Unterschriften braucht ein e.V. — nicht sieben Vollzeit-Menschen (§ 56 BGB).
A · Bevor du suchst
Bevor du suchst
Die beste Mitgründerin ist meistens schon in deinem Leben. Eine Plattform ist der zweite Weg, nicht der erste — und sie braucht Zeit.
Netzwerk zuerst.
Geh deine Kontakte wirklich durch: Studium, Job, Ehrenamt, Nachbarschaft. Viele Menschen sind heimlich bereit für etwas Neues und warten nur darauf, gefragt zu werden. Mit jemandem zu gründen, den du seit Jahren kennst, ist leichter als mit jemandem, den du letzten Monat online kennengelernt hast.
Rechne mit 100 Tagen.
Bei Y Combinator, der größten Plattform dieser Art, liegt der Median zwischen Anmeldung und dem Match, aus dem eine Gründung wird, bei rund 100 Tagen. Manche brauchen über neun Monate. Wer nach drei Wochen aufgibt, hat nicht die Plattform überschätzt, sondern die Aufgabe unterschätzt.
Zwei Menschen, nicht vier.
Zwei Menschen, die sich gerade erst kennengelernt haben, müssen eine Beziehung tragen. Vier müssen sechs tragen. Teams aus lauter Neubekanntschaften zerbrechen an der schwächsten dieser Verbindungen. Fang zu zweit an; wer später dazukommt, kommt in eine bestehende Kultur.
Gründungsmitglieder sind keine Mitgründer:innen.
Ein eingetragener Verein braucht sieben Gründungsmitglieder (§ 56 BGB). Das sind sieben Unterschriften unter der Satzung — nicht sieben Menschen, die Vollzeit mitarbeiten. Wer einen Verein plant, sucht oft nicht „eine Mitgründerin“, sondern „noch vier Leute, die die Sache gut finden und unterschreiben“. Das ist eine andere, viel leichtere Suche.
B · Die ersten Gespräche
Die ersten Gespräche
Die Person ist wichtiger als die Idee. Ideen ändern sich in den ersten zwei Jahren mehrfach — die Person bleibt.
Würdest du Zeit mit ihr verbringen, auch ohne Projekt?
Wenn das Vorhaben funktioniert, verbringst du mehr Zeit mit dieser Person als mit irgendjemandem sonst. Die stärksten Gründungsteams mögen einander. Wenn du bei jemandem zögerst, hör auf das Zögern — die guten Matches fühlen sich für beide Seiten früh offensichtlich an.
Geld und Rollen ins erste Gespräch, nicht ins letzte.
Wer die unangenehmen Fragen aufschiebt, verbringt Monate mit jemandem, nur um dann festzustellen, dass ihr euch über Vergütung oder Verantwortung nie einig werdet. Sprich es an, bevor es wehtut.
Erzähl deine Idee. Ganz.
Eine Idee zu schützen, indem man sie nicht erzählt, führt nur zu weniger Antworten. Der Wert liegt nicht in der Idee, sondern in den Jahren Arbeit danach. Wer dein Vorhaben mit einem Absatz nachbauen könnte, hätte es ohnehin nicht weit gebracht.
Sucht ihr Gemeinsamkeiten außerhalb des Vorhabens?
Die meisten erfolgreichen Teams, die sich über Plattformen fanden, verband etwas jenseits der Sache: dieselbe Stadt, ähnliche Lebenswege, gemeinsame Bekannte. Frag danach. Es ist kein Small Talk, es ist der Kitt.
C · Die zwölf Fragen
Bevor ihr euch festlegt
Im Startup-Kontext geht es hier um Anteile. Ein Verein hat keine, eine gGmbH schüttet nichts aus. Was bleibt, ist wichtiger: Verantwortung, Vergütung, Haftung, Ausstieg. Geht die Fragen gemeinsam durch — schriftlich, jede Person für sich, dann vergleichen.
- 01
Was soll in fünf Jahren anders sein in der Welt — und woran messen wir das?
Wer hier keine gemeinsame Antwort findet, findet sie später auch nicht. Alles Weitere baut darauf auf.
- 02
Rechtsform: e.V., gGmbH, gUG — und warum?
Die Rechtsform entscheidet, wer haftet, wer bezahlt werden darf und ob es Mitglieder gibt, die euch überstimmen können.
- 03
Wer steht im Vorstand, wer in der Geschäftsführung? Wer haftet wofür?
Im Verein trägt der Vorstand die Verantwortung nach außen. Das ist kein Ehrentitel, sondern eine Pflicht — auch gegenüber dem Finanzamt.
- 04
Bekommt jemand Geld? Ab wann, wie viel — und steht die Grundlage in der Satzung?
Der Vereinsvorstand ist nach § 27 Abs. 3 BGB grundsätzlich unentgeltlich tätig. Eine Vergütung braucht eine Grundlage in der Satzung. Wer das nicht vorher klärt, klärt es später mit dem Finanzamt.
- 05
Wie viele Stunden pro Woche — realistisch, nicht im Idealfall?
„So viel wie nötig“ ist keine Antwort. Zehn Stunden neben dem Job und vierzig Stunden Vollzeit sind zwei verschiedene Vorhaben.
- 06
Wovon lebt ihr währenddessen?
Die Frage entscheidet über das Tempo. Wer sechs Monate Rücklagen hat, arbeitet anders als jemand, der ab Monat drei ein Gehalt braucht.
- 07
Wenn Fördermittel kommen: Wer schreibt die Anträge, wer die Berichte?
Förderung ist Arbeit, die nach der Bewilligung erst beginnt. Verwendungsnachweise schreiben sich nicht von selbst.
- 08
Wer entscheidet, wenn ihr euch nicht einig seid?
Zu zweit gibt es keine Mehrheit. Legt fest, wer bei welchen Themen das letzte Wort hat — oder wen ihr fragt.
- 09
Was passiert, wenn eine Person aussteigen will?
Das passiert öfter, als beide gerade glauben. Wer den Ausstieg vorher regelt, erlebt ihn als Übergang statt als Bruch.
- 10
Wem gehört, was bis dahin entstanden ist?
Konzepte, Kontakte, die Website, der Name. Ohne Absprache gehört alles allen — und damit niemandem, der es weiterführen kann.
- 11
Welche drei Dinge würden dich sofort aus dem Projekt treiben?
Deal-Breaker früh zu kennen ist billiger, als sie später zu entdecken. Die Antwort sagt mehr über einen Menschen als der Lebenslauf.
- 12
Was macht ihr, wenn nach zwei Jahren kein Geld da ist?
Aufhören, verkleinern, ehrenamtlich weitermachen? Die Antwort darf unterschiedlich sein — aber ihr solltet sie voneinander kennen.
D · Die Probezeit
Die Probezeit
Ob ihr zusammen arbeiten könnt, erfahrt ihr nur, indem ihr zusammen arbeitet. Nicht an Konzepten — an einer echten, abgeschlossenen Sache.
Vier bis acht Wochen, ein konkretes Ergebnis.
Ein Förderantrag, ein Pilot-Workshop, ein Satzungsentwurf mit Notartermin, zehn Gespräche mit den Menschen, für die ihr das macht. Etwas, das am Ende fertig oder gescheitert ist — nicht etwas, das „läuft“.
Remote und nebenberuflich heißt: länger.
Wer sich einmal die Woche per Video sieht, lernt den anderen in sechs Monaten weniger gut kennen als in zwei Wochen am selben Tisch. Wenn ihr in verschiedenen Städten seid: Fahrt früh hin. Ein gemeinsames Wochenende sagt mehr als zwanzig Videocalls.
Vorher festlegen, wem das Ergebnis gehört.
Wenn ihr euch danach trennt — wer behält den Antrag, die Kontakte, den Namen? Ein Absatz per E-Mail reicht. Ohne ihn wird aus einer Trennung ein Streit.
Am Ende: Go oder No-Go. Beides ist ein gutes Ergebnis.
Die Probezeit ist erfolgreich, wenn ihr danach eine klare Antwort habt. Ein ehrliches Nein nach sechs Wochen spart euch zwei Jahre.
Bereit für den zweiten Weg?
Netzwerk durchgegangen, niemand passt? Dann leg ein Suchprofil an. Wer selbst eines hat, sieht die anderen.