Das Problem
Stirbt jemand ohne Angehörige — oder ohne Angehörige, die zahlen können oder wollen —, ordnet das Ordnungsamt die Bestattung an. Das ist eine Verwaltungsleistung: Einäscherung, anonyme Beisetzung, kein Termin, keine Worte, niemand am Grab. Die Zahl dieser Fälle steigt in vielen Kommunen so deutlich, dass sie regelmäßig Thema in Haushaltsberatungen ist. Ein Mensch, der siebzig Jahre in dieser Stadt gelebt hat, verschwindet ohne einen Satz.
Was man aufbaut
Ein Verein trifft eine Verabredung mit dem Ordnungsamt: Bei jeder ordnungsbehördlichen Bestattung wird der Termin mitgeteilt. Ehrenamtliche kommen, in kleiner Zahl, sprechen einen Text, legen Blumen nieder, halten eine Minute Stille. Dazu ein öffentlich einsehbares Gedenkbuch mit Namen und Sterbedatum — mehr weiß man oft nicht, und mehr braucht es nicht.
Wer etwas davon hat
Zuerst die Verstorbenen. Dann aber auch: entfernte Bekannte, Nachbarn, die Pflegekraft aus dem Heim, der Wirt von unten — Menschen, die kommen würden, wenn sie erführen, dass etwas stattfindet. Und die Ehrenamtlichen selbst, für die das oft das Sinnvollste ist, was sie tun.
Dein erster Schritt — diese Woche
Ruf den Fachbereich Bestattungswesen oder das Ordnungsamt deiner Stadt an und stell zwei Fragen: Wie viele ordnungsbehördliche Bestattungen gab es im letzten Jahr? Und dürften Sie uns die Termine mitteilen, wenn wir kommen wollen? Diese eine Auskunft entscheidet, ob die Idee bei euch trägt.
Woran es meistens scheitert
Zwei Dinge. Erstens Datenschutz und Pietät: Namen und Termine sind heikel, und manche Ämter geben sie nur nach einer schriftlichen Vereinbarung heraus — das ist die eigentliche Gründungsarbeit, nicht die Zeremonie. Zweitens die Belastung. Es ist emotional zehrender, als Gründungsteams erwarten, besonders wenn ein Verstorbener im Alter der eigenen Eltern ist. Ohne feste Rotation und ein Nachgespräch nach jedem Termin hören Ehrenamtliche nach dem dritten Mal auf, und dann steht ihr allein am Grab.