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Soziales · Ökonomisch & Sozial

Seniorengenossenschaft: Hilfe heute, Anspruch später

Zwischen 'kommt allein zurecht' und 'braucht einen Pflegedienst' liegt ein breiter Bereich, für den es keine Leistung gibt.

Das Problem

Einkaufen, zum Arzt fahren, Rasen mähen, Formulare ausfüllen, die Glühbirne im Flur wechseln: Dafür gibt es keine Leistung und keinen Anspruch. Nachbarschaftshilfe aus Nettigkeit deckt das eine Weile ab und hört genau dann auf, wenn sie regelmäßig wird — weil niemand dauerhaft nur nehmen will und niemand dauerhaft nur geben. Die Betroffenen fragen deshalb irgendwann nicht mehr, und danach geht es schnell bergab.

Was man aufbaut

Das seit den 1990er Jahren vor allem in Baden-Württemberg und Bayern erprobte Modell: Mitglieder leisten Stunden und bekommen sie auf einem Zeitkonto gutgeschrieben — abrufbar später, wenn sie selbst Hilfe brauchen, oder auszahlbar zu einem kleinen Stundensatz. Wer Hilfe in Anspruch nimmt, zahlt einen kalkulierten Beitrag. Aus dem Gefallen wird eine Leistung, und genau das macht sie für beide Seiten annehmbar.

Wer etwas davon hat

Menschen ab siebzig, die zu Hause bleiben wollen und keine Familie in der Nähe haben. Und die Aktiven selbst, oft zwischen 55 und 70, für die das Zeitkonto eine Zusage an ihr eigenes Alter ist.

Dein erster Schritt — diese Woche

Frag drei Personen über siebzig in deinem Ort, was ihnen im letzten Monat konkret gefehlt hat — nicht allgemein, sondern letzten Monat. Ruf danach eine bestehende Seniorengenossenschaft an; es gibt Dutzende, und die meisten geben ihre Satzung und ihre Regeln zum Stundenkonto bereitwillig heraus. Beides zusammen ist ein Nachmittag.

Woran es meistens scheitert

Steuern und Versicherung, sobald Geld fließt. Stundengutschriften mit Auszahlungsanspruch sind kein reines Ehrenamt mehr; Unfallversicherung, die Grenzen der Ehrenamtspauschale und die Abgrenzung zum zulassungspflichtigen Pflegedienst müssen geklärt sein, bevor die erste Fahrt stattfindet — nicht nach der ersten Prüfung. Und rechnet mit dem strukturellen Ungleichgewicht: Die Nachfrage ist nie das Problem, die Helfenden sind es. Fast alle Seniorengenossenschaften haben mehr Abrufe als Stunden. Wer nicht dauerhaft neue Aktive gewinnt, verwaltet nach zwei Jahren eine Warteliste.

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