Das Problem
CSRD und CSDDD verpflichten große Unternehmen, ihre gesamte Lieferkette auf Nachhaltigkeit zu prüfen. Diese Pflicht geben sie als Datenanfrage an ihre Zulieferer weiter — an denselben mittelständischen Betrieb schicken oft mehrere Großkunden je einen eigenen Fragebogen, in unterschiedlichem Format und mit unterschiedlichen Begriffen. Kleine Zulieferer haben dafür weder Nachhaltigkeitsabteilung noch passende Software, riskieren aber bei Nichtlieferung den Auftrag. Die EU hat die Schwellenwerte per Omnibus-Verordnung zwar angehoben, den Druck auf den einzelnen Zulieferer aber kaum verkleinert, weil er über die Vertragskette weitergegeben wird.
Was man aufbaut
Statt für jeden Großkunden neu: Daten einmal strukturiert aufnehmen, orientiert am freiwilligen VSME-Standard für kleine und mittlere Unternehmen, und daraus die Formate der jeweiligen Auftraggeber erzeugen. Anfangen lässt sich das ganz undramatisch — mit einer sauberen, geprüften Eingabevorlage und einer Person, die den ersten Dutzend Zulieferbetrieben hilft, ihre Zahlen einmal richtig einzutragen. Die automatisierte Übersetzung in einzelne Kunden-Formate kommt erst, wenn klar ist, welche Formate in der Praxis überhaupt verlangt werden.
Wer etwas davon hat
Mittelständische Zulieferer, die an mehrere Großkunden gleichzeitig liefern und deren Berichtspflichten sie nicht mehr manuell schaffen. Einkaufsabteilungen von Großunternehmen, die verlässliche, geprüfte Daten von ihren Zulieferern brauchen, statt selbst hinterherzutelefonieren.
Dein erster Schritt — diese Woche
Sprich mit der Einkaufs- oder Vertriebsabteilung eines mittelständischen Zulieferbetriebs in deiner Region und lass dir zwei oder drei der Nachhaltigkeits-Fragebögen zeigen, die er von verschiedenen Kunden bekommt. Vergleicht die Felder von Hand — die Überschneidung ist meist groß, und genau die ist euer Produkt.
Woran es meistens scheitert
Die Regeln ändern sich, während ihr baut. Die EU hat Schwellenwerte und Fristen von CSRD und CSDDD bereits einmal per Omnibus-Verfahren verschoben und wird es vermutlich wieder tun. Wer eine starre Software gegen einen bestimmten Berichtsstandard baut, hat nach der nächsten Novelle ein veraltetes Produkt — baut deshalb zuerst Dateneingabe und -prüfung robust und haltet die Ausgabeformate bewusst austauschbar. Der zweite Fallstrick: Ihr werdet zur Vertrauensinstanz zwischen zwei Parteien mit sehr ungleicher Verhandlungsmacht. Zweifelt ein Großkunde eure Daten an, steht die Existenz des Zulieferers auf dem Spiel, nicht eure.