Das Problem
In den kommenden Jahren geht eine große Zahl von Inhaber:innen kleiner und mittlerer Betriebe in den Ruhestand, und für einen erheblichen Teil findet sich keine Nachfolge. Was dann passiert, ist meist eines von zwei Dingen: Der Betrieb wird abgewickelt, oder er geht an einen Investor, der die Substanz in wenigen Jahren auslöst. Die dritte Möglichkeit — Verkauf an die eigenen Beschäftigten — scheitert selten am Willen und fast immer daran, dass niemand den Weg kennt und die Beschäftigten den Kaufpreis nicht aufbringen.
Was man aufbaut
Eine gemeinnützige Beratungsstelle, die Übergaben an die Belegschaft von der ersten Frage bis zum Notartermin begleitet: Bewertung, Rechtsform, Finanzierung über Verkäuferdarlehen und Bankanteil, Verhandlung, und die Begleitung im ersten Jahr danach, wenn aus Angestellten Mitinhaber:innen werden. Das amerikanische Vorbild ist Project Equity, das genau diese Lücke besetzt hat; in Deutschland gibt es Genossenschaftsverbände und Kammern, aber kaum jemanden, der beide Seiten zugleich vertritt.
Wer etwas davon hat
Inhaber:innen ohne Nachfolge, die ihr Lebenswerk nicht zerlegt sehen wollen. Belegschaften, die den Betrieb kennen und ihn halten könnten. Und die Region, in der zwanzig Arbeitsplätze mehr wiegen als in einer Großstadt.
Dein erster Schritt — diese Woche
Sprich mit der Nachfolgeberatung deiner Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer und frag nach der Zahl der offenen Nachfolgen im Bezirk — und danach, wie oft die Belegschaft als Käufer überhaupt geprüft wurde. Die zweite Zahl ist erfahrungsgemäß nahe null, und sie ist dein Argument.
Woran es meistens scheitert
Ihr beratet zwei Parteien mit gegenläufigen Interessen in derselben Transaktion: Der Verkäufer will einen hohen Preis, die Belegschaft einen niedrigen. Wer das nicht offenlegt und keine Rollen trennt, verliert im ersten strittigen Fall beide Seiten. Dazu kommt das Rechtsdienstleistungsgesetz: Vertragsgestaltung und Bewertung sind anwaltliche beziehungsweise steuerberatende Tätigkeit — ihr braucht feste Partner dafür und dürft es nicht selbst machen. Der praktische Fallstrick ist ein dritter: Solche Übergaben dauern ein bis drei Jahre. Eine Projektförderung über zwölf Monate endet, bevor der erste Fall abgeschlossen ist.