Das Problem
In vielen kleinen Orten hat der letzte Laden geschlossen. Wer kein Auto hat oder nicht mehr fährt, ist auf Angehörige angewiesen — und das trifft die Ältesten am härtesten, also genau die, die am wenigsten mobil sind. Gleichzeitig gibt es im nächsten Mittelzentrum viele Menschen zwischen 65 und 80, die fit sind, Zeit haben und in keiner Statistik mehr als Arbeitskraft vorkommen. Ein fester Dorfladen rechnet sich in Orten dieser Größe meist nicht; die kursierenden Wirtschaftlichkeitszahlen dazu stammen überwiegend aus Österreich und lassen sich nicht auf deutsche Verhältnisse übertragen.
Was man aufbaut
Ein Verkaufsfahrzeug mit Grundsortiment, das nach festem Fahrplan mehrere Dörfer anfährt und von Menschen im Ruhestand gefahren und betrieben wird — auf Minijob-Basis oder als Übungsleiterpauschale, nicht ehrenamtlich. Der Halt dauert lang genug, dass er ein Treffpunkt wird; das ist kein Nebeneffekt, sondern die halbe Wirkung. Das südkoreanische Vorbild koppelt genau diese beiden Bedarfe: Nahversorgung im unterversorgten Ort und sinnvolle Beschäftigung für Ältere.
Wer etwas davon hat
Menschen ohne Auto in Orten ohne Laden, überwiegend über achtzig. Die Fahrer:innen, für die es Struktur, Einkommen und Ansehen im Ort bedeutet. Und die Kommune, die dafür keine Ladenfläche subventionieren muss.
Dein erster Schritt — diese Woche
Fahr an einem Vormittag in drei Dörfer ohne Laden und frag zwanzig Leute, was sie diese Woche gebraucht und nicht bekommen haben. Die Antworten sind dein Sortiment. Danach ruf die Bürgermeister an — ohne einen zugesagten Standplatz und eine Ankündigung im Gemeindeblatt fährst du leer.
Woran es meistens scheitert
Die Kalkulation, nicht die Nachfrage. Ein rollender Laden verkauft pro Halt wenige hundert Euro bei kleiner Marge, und dagegen stehen Fahrzeug, Kühlung, Sprit, Versicherung und Löhne. Wer das Fahrzeug gefördert bekommt und dann feststellt, dass der Betrieb nicht trägt, steht nach zwei Jahren mit einem abgeschriebenen Transporter da. Rechnet den Betrieb durch, bevor ihr das Fahrzeug beantragt. Zweitens: Ein Verkaufsfahrzeug mit Kühlung braucht eine Zulassung nach Lebensmittelhygienerecht und regelmäßige Kontrollen — sprecht früh mit dem Veterinäramt.