Das Problem
Alttextilien müssen seit Anfang 2025 getrennt gesammelt werden. Gleichzeitig ist der Markt für gesammelte Ware eingebrochen: Was jahrzehntelang Erlöse für Sozialvereine brachte, ist heute ein Kostenfaktor, Container quellen über, und Sortierbetriebe nehmen nicht mehr alles. Der Grund ist die Ware selbst — sehr billig produzierte Kleidung, die eine zweite Nutzung kaum übersteht. Die Menge bleibt trotzdem, und sie landet jetzt in der Verbrennung.
Was man aufbaut
Eine lokale Werkstatt, die sortiert statt exportiert. Drei Wege: Verkaufbares in einen ordentlichen Second-Hand-Laden (kein Ramschregal — Präsentation entscheidet über den Preis); Reparatur und Änderung als bezahlte Dienstleistung für alle, auch für Kundschaft mit eigener Kleidung; der Rest zu Putzlappen und Dämmmaterial. Der Betrieb eignet sich gut als Inklusionsbetrieb nach § 215 SGB IX, weil die Arbeit gut in Teilschritte zerlegbar ist.
Wer etwas davon hat
Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer unterkommen und hier eine reguläre, tariflich bezahlte Stelle finden. Kundschaft, die reparieren lassen will und in vielen Städten niemanden mehr findet. Und der Abfallwirtschaftsbetrieb, dessen Mengenproblem ihr verkleinert.
Dein erster Schritt — diese Woche
Frag den örtlichen Kleiderkammer- oder Sozialkaufhausbetreiber, wie viel Ware er im Monat wegwirft und warum. Geh mit dieser Zahl zum Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises und frag, was ihn die Entsorgung kostet. Sprich im selben Zug mit dem Integrationsamt über § 215 SGB IX — die Nachteilsausgleiche entscheiden, ob sich das je rechnet.
Woran es meistens scheitert
Sortieren ist teurer als alles andere zusammen. Der Mengenstrom ist gewaltig, der verkaufsfähige Anteil klein, und Betriebe, die alles annehmen, ersticken im ersten Halbjahr — buchstäblich, weil die Halle voll ist und keiner mehr durchkommt. Wer nicht von Anfang an sagen kann 'wir nehmen nur saubere, ganze Ware, nur zu diesen Zeiten, nur diese Sachen', betreibt eine Müllentsorgung mit sozialem Etikett und zahlt am Ende für die Verbrennung. Sagt nein, bevor die Ware im Hof steht — danach ist es euer Problem.